Tag 16   Schnelldorf nach Lohr bei Rothenburg o.d.T.

Ich unterquere die A 6. Mit der A6, der Donau und der A7 habe ich nun drei geografische Hindernisse auf dem Weg überwunden. Kurz nach der A6 erreiche einen Badesee mit einem kleinen Sandstrand. Sieht richtig idyllisch aus, wenn die A6 nicht so nah wäre, wäre es das auch.

Nordwärts strebend komme ich an eine Wegbiegung, die mich bergauf Richtung Südost leitet. Aber wenig später biegt der Weg wieder nach links, also Norden ab. Immer durch den Wald erreiche ich anderthalb Stunden später auf wunderbaren Wegen Grüb. Wäre doch gestern ganz schon weit geworden. Zwischenzeitlich komme ich erneut an die Europäische Wasserscheide, die sich hier im Hügelland nicht so recht entscheiden kann, wo sie langlaufen will. Der Weg bis hierhin ist wirklich toll. Viel Wald, schöne Pfade und Wege.

Nach Grüb nimmt mich der Wald wieder auf. Zuerst kurz steil bergauf und anschließend immer bergab komme ich nach Wettringen. Ich habe auf Frühstück im Hotel verzichtet. Zeit es nachzuholen. Im Dorfladen, nicht weit der Tauberquelle, gibt es einen Cappuccino sowie Backwerk im Schatten der Dorflinde. Ich verlasse das Dorf in nördlicher Richtung. Am Waldrand vorbei und im Wald erreiche ich das Gestüt „Frankenhof“, wo mich ein großer Hund anstürmend begrüßt. „Der will nur schnuppern. Der tut nix“, höre ich. Am liebsten hätte ich zurückgerufen.: „Aber ich.“ Der Hund war dann aber friedlich und hat mich nur beschnuppert. Ich verlasse sein Revier zügig in Richtung Wald.

Im Wald auf breiten Schotterweg kurz steil bergan erwischt mich ein Regenschauer. Schnell den Regenschutz über den Rucksack und weiter. Vor Insingen hört der Regen auf. Aber meine Hose ist pitschnass. Ich gehe ein Stück auf dem Radweg neben der Landstraße und komme nach Insingen, wo ich mich bei schon wieder scheinender Sonne entscheide weiter zu gehen. Zum einen ist es kurz vor zwölf und ich habe erst gut 12 Kilometer zurückgelegt.

Kurze Pause an einer Bushaltestelle. Ich prüfe den Busfahrplan nach Rothenburg per App, will ich doch dort übernachten. Lohr ab in einer Stunde. Bis Lohr sind es knapp 4 Kilometer. Ich gehe immer so um 5 Stundenkilometer schnell. Das schaff´ ich locker. Also ein paar Meter zurück zur Seegasse und weiter nach Norden Rothenburg zu. Durch Felder erreiche ich, die Feldlerche hat zu singen aufgehört, nach einer knappen halben Stunde Lohrbach. Die Wolken verdüstern sich zusehends. Die Feldlerche ist nicht mehr zu hören. Ist sie ein verlässlicher Regenindikator, frage ich mich unwillkürlich? Links sind es knapp 50 Meter zu Bushaltestelle. Anderthalb Kilometer, also etwa 20 Minuten. Ich entscheide weiter zu gehen. Ein Fehler, denn nun regnet es richtig. Die Tropfen schlagen in Pfützen auf dem geteerten Weg Blasen. Zum Glück habe ich den Regenschutz noch auf dem Rucksack, ist mein erster Gedanke. Ich überlege Augenblicke später, ob ich bei einem Auto, in dem ein Mann sitzt, der seine Feldarbeit des Regens wegen unterbrochen hat, klopfen und um Unterschlupft bitten soll. Aber in bin pitschnass. Würde ich einen fremden, total nassen Mann in mein trockenes Auto lassen? Weiter. Ich beschleunige ein wenig. Zehn Minuten später durchschreite ich, der Regen hat glücklicherweise wieder aufgehört, das Gewerbegebiet von Lohr. Wenig später sitze ich an einer Bushaltestelle und warte auf den Bus, der auf die Minute pünktlich ist. Die Fahrt nach Rothenburg verbringe ich der nassen Hose wegen stehend.

Die Feldlerche habe ich als meine persönliche Regenassistentin auserkoren. Zumindest wenn sie zwitschert, hat es die vergangenen Tage nicht geregnet. Ich werde das weiter beobachten, beschließe ich noch im Bus. Um zwei bin ich in Rothenburg. Ich suche ein Café mit Tresen, noch ist die Hose nass, und trinke erstmal einen Espresso, bevor ich mein Hotel in der Innenstadt aufsuche.

Später spaziere ich trocken und unbeschwert durch das abendliche Rothenburg am Plönlein (Spitzweg) vorbei bis zur Spitalbastei, bevor ich mich zum Abendessen niederlasse.

Eigentlich wollte ich eine zweite Nacht in Rothenburg verbringen, aber da ich heute gut 20 Kilometer geschafft habe, wären es morgen nur 8 Kilometer bis Rothenburg. So suche ich noch heute Abend im Internet tauberabwärts ein Quartier in Richtung Creglingen, wo ich übermorgen aufzuschlagen gedenke.