Tag 14   Rindelbach nach Wittau bei Crailsheim

Bahn und Bus bringen mich mit einigen Schwierigkeiten, denen ich einen interessanten und gut einstündigen Aufenthalt in Ellwangen verdanke, nach Rindenbach. So hatte ich jedenfalls noch Gelegenheit zu einem zweiten Frühstück und einem kleinen Stadtrundgang in Ellwangen.

Ich verlasse Rindelbach auf der Fahrstraße nach Nordosten in Richtung Wald. Bei der ersten Abzweigung nach ca. 500 Metern führt mich der Weg rechts in den Wald hinein. Ich komme an einen verwitterten Erinnerungsstein für einen königlichen Oberförster vorbei, der sich um den Wald in der Gegend verdient gemacht hat. Wenig später an der Abzweigung direkt nach Norden stoße ich auf die Hinweisschilder des „Jagststeigs“, die mich fast bis zum Ende der Etappe begleiten werden. Durch den Wald geht es fast immer geradeaus nordwärts. Ein Jogger bleibt neben mir mit der Frage stehen, wieso ich so schnell Platz gemacht habe. Ich muss lachen, war er auf dem feinen Splitt doch schon geraume Zeit gut zu hören. Er fragt, ob ich den ganzen Jagst-Steig gehen will. Ich verneine und sage, dass ich heute nur bis fast nach Crailsheim will und mein eigentliches Ziel List sei. List sage ihm nichts, gibt er zurück. Ich erkläre, List auf Sylt sei gemeint, worauf er nun zu lachen beginnt und mir eine gute Reise wünscht. Auf den feinen Splitt des Treppelklingenwegs kommt man schnell voran.

Jeder Wald ist irgendwann mal zu Ende und so stoße ich auf eine Kreisstraße, der ich ein kurzes Stück bis zur Dankholzweiler Säge nach Nordosten folge. Zum Glück herrscht hier im hohenlohischen Nirgendwo kein Verkehr und ich verschwinde auch schnell wieder im Wald. Vorbei an der Steinernen Bank geht es auf undeutlicher Pfadspur durchs feuchte Gras parallel zum Kälberbach zuerst langsam dann steiler bergan. Über den Ameinsenbuck komme ich zur Hubertushütte, die leider nur dem Forst BW vorbehalten ist. An der nächsten Hütte mit Sitzbank halte ich an. Ich habe Hunger und trinke auch gleich was. So wird auch der Rucksack leichter. Außerdem ziehe ich die Schuhe aus und inspiziere meine nassen Socken und Füße. Kein guter Anblick. Gehen auf unbefestigten Wegen im ziemlich hohen nassen Gras, was hatte ich erwartet? Nicht zu ändern. Gibt hoffentlich keine Blasen.

Nach einer viertel Stunde geht es weiter. Immer durch den Wald erreiche ich Rechenberg mit seiner Burg samt großen Teich zu Füßen derselben. Ich umrunde den See fast in Gänze und stelle fest, dass der Wegewart des HW 4, auf den ich hier wieder treffe, den Weg mal hätte mähen (lassen) können. Das nasse Gras steht hüfthoch und ich bahne mir einen Weg bis zu einem Feldweg. Meine Hosenbeine werden allerdings pitschnass. Der Feldweg führt mich zu einem Wohngebiet, das ich zügig durchwandere. Ich erreiche die Fahrstraße und folge dem Gehsteig bergab nach Nordosten. Am Friedhof biege ich links ab. Es geht bergan und dann halb links in den Tirolerschlag Weg. Eine Tafel erklärt, zahlreiche österreichische Protestenten sind infolge Vertreibung bei der Gegenreformation hier in der Gegend hängen geblieben.

Die Hosenbeine sind inzwischen im Gegensatz zu den Socken wieder trocken, als ich eine knappe Stunde später Weippertshofen erreiche. An einem Brunnen bei der Feuerwehr leere ich meine Wasservorräte und verputze meinen letzten Proviant, bevor ich mich zum Endspurt aufmache. Ich entscheide mich nach Wittau statt wie geplant nach Alexandersreut zu gehen. In keinem der Orte ist ein Quartier zu finden aber der Bus nach Crailsheim fährt in einer knappen Stunde ab Wittau. Ein Blick auf die Uhr. Sollte zu schaffen sein. Auf geht´s

Ich quere den Segelflugplatz mitten über die Start- und Landebahn, obwohl die Ampel rot zeigt. Ist ja kein Flugverkehr. Allerdings irritiert mich ein Motorengeräusch aus der Höhe einen Augenblick. Ein Militärhubschrauber. Wenig später komme ich mich nordwärts haltend an Getreidefeldern vorbei nach Lohr. Wieder sind Feldlerchen zu hören. Sehen tue ich sie leider nicht. Am Ortsrand Lohrs westwärts haltend erreiche ich die letzte Abzweigung für heute. Und die führt nach rechts über eine kleine Brücke und leicht bergan auf einem Wiesenweg direkt nach Wittau.

In Wittau finde ich die Bushaltestelle schnell und kaum habe ich mich nach 21 Kilometern Wegstrecke auf der Bank niedergelassen, hält auch schon ein Bus. Passt nicht in meinen Fahrplan, ist aber ein verspäteter Bus, der mich nun nach Crailsheim bringt. Am Zentralen Busbahnhof steige ich aus und der letzte Kilometer führt mich zur Unterkunft. Dusche und dann ab zum Abendessen in die Brauerei Engel, deren Bier ich ohnehin schätze.